Fundación ERBACHER » Noticias » Einzelne verändern die Welt – auch im He...

26.09.2013

Einzelne verändern die Welt – auch im Herzen Afrikas: Burundi

Verena Stamm aus Burundi und Martina Wziontek aus Köln zu Besuch bei der ERBACHER-STIFTUNG:

Vortrag für die Mitarbeiter von Josera/Erbacher

Verena Stamm (li) und Martina Wziontek (re)

Verena Stamm aus Burundi und Martina Wziontek aus Köln zu Besuch bei der ERBACHER-STIFTUNG:

Vortrag für die Mitarbeiter von Josera/Erbacher

„Ich ging der Liebe wegen nach Burundi, heiratete meinen heutigen Mann, der in Deutschland studiert hatte und zog mit ihm in seine Heimat.“ Seit 40 Jahren lebt Verena Stamm in Burundi. Arbeitete dort. Blieb während des Krieges. Verändert das Land nach dem Krieg – bis heute.

Martina Wziontek wollte nur eine Afrika-Reise machen. Gut vorbereitet schloss sie sich 2002 der Kriegs- und Krisenfotografin Ursula Meissner an. Die beiden hörten von Verena Stamm, die in Burundi seit 1996 mit eigenen Mitteln zwei kleine Heime für Kriegswaisen aufgebaut hatte und unterhielt. „Nach drei Tagen mit Verena Stamm war es mit meiner Souveränität vorbei. Was ich sah, verschlug mir die Sprache.“ Frau Stamm, eine Frau der Taten, schlug der Kölner Architektin kurzerhand vor, in Burundi eine Schule zu bauen. Für Martina Wziontek trat Erleichterung an die Stelle des Entsetzens: „Ich kann mit meinem Beruf etwas wirklich Sinnvolles machen!“

2004 stand die Schule, außerdem eine kleine Klinik mit gynäkologischer Abteilung. Verena Stamms Fondation Stamm in Burundi arbeitet seitdem mit Martina Wzionteks deutschem Verein Burundikids zusammen. Burundikids hat sie als deutsche Unterstützungsmöglichkeit für die Fondation Stamm gegründet. 24 Mal war Martina Wziontek inzwischen in Burundi.

ERBACHER-STIFTUNG unterstützt Fondation Stamm

Auf die Frage, woher ihre Motivation für ihren Einsatz komme, antwortet Frau Stamm: „Man kann das Leid nicht mehr mitansehen. Die Armut und die Straßenkinder am Ende des Krieges – mit ihnen wuchs die Motivation. Es sind zuerst die Straßenkinder und die Mütter. Für sie möchte man eine Verbesserung und gute Gesundheit. Dann natürlich eine gute Ausbildung für die Kinder. Und gute Ernährung. Dann können sie gut auf dem Land leben. Man hat eine Vision, natürlich.“
 
Frau Stamm setzt sich inzwischen nicht nur für Waisenkinder und ehemalige Kindersoldaten ein, sie unterhält Heime für junge Mütter und ermöglicht ihnen, die Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Auf Anfrage der burundischen Regierung hat die Fondation Stamm ein Heim gebaut, in dem Menschen mit Albinismus-Erkrankung sicher leben können. Was wir erfahren, ist entsetzlich: „Das Problem kommt aus Tansania. Menschen mit dieser angeborenen Pigmentstörung werden gejagt, umgebracht, zerstückelt und teuer verkauft für rituelle Zwecke. So hält man z.B. ihren Kopf ins Wasser, um einen guten Fischfang zu erzielen.“
In Burundi leben 80-90 % der Menschen von der Landwirtschaft. Vielfach fehlt jedoch fachliches Wissen. Wasser ist genug vorhanden, der Boden ist fruchtbar. Landflucht ist in Burundi mit 10 % gering. Effektivere Landwirtschaft kann bessere Lebensumstände ermöglichen. Deswegen setzt die Fondation Stamm hier an. Die ERBACHER-STIFTUNG unterstützt sie dabei.

Bananen-Projekt

Eine Krankheit, die Bananen befällt, konnte mit Stiftungshilfe bekämpft werden: Die Pflanze wird desinfiziert, der Boden sterilisiert, die Pflanze wieder eingepflanzt und, nun gesund, vermehrt. Dieses Projekt ist so erfolgreich, dass auch die Regierung Burundis inzwischen mitmacht.

Landwirtschaftliche Ausbildung

Familien erhalten eine Kuh und Saatgut. Die Bauern bauen viele verschiedene Gemüsesorten an, die sie vor einigen Jahren nicht kannten. Die Menschen ernähren sich gesünder und verkaufen Überschüsse. Ihre Ernährungssituation verbessert sich. In neunmonatigen Praktika bildet die Fondation Tiergesundheitshelfer aus, die sich in der Landwirtschaft auskennen und Bauern beratend mit ihrem Wissen unterstützen. Viele Praktikanten wollen mehr lernen. Verena Stamm reagiert, die ERBACHER-STIFTUNG unterstützt sie: Nun bietet die Berufsschule eine 4jährige Ausbildung zum Tierarzthelfer mit Diplomabschluss an. In einem Labor arbeiten diplomierte Tierärzte.
Aufforstung
67 % der Wälder Burundis sind abgeholzt. Verena Stamm pflanzt neue Bäume in Kooperation mit den Schulen: 120.000 Setzlinge werden 2013 mit Unterstützung der ERBACHER-STIFTUNG gepflanzt, um Erosion vorzubeugen, denn guter Humus fließt in der Regenzeit in den angrenzenden Tanganjika-See.

Wie geht es weiter?

Ideen und Ziele hat Verena Stamm viele, aber „ich arbeite, mit dem, was ich habe und was mir zur Verfügung steht. Ist es viel, können wir viel umsetzen. Ist es wenig, schaffen wir weniger.“ Solar- und Photovoltaik-Projekte sind vielversprechend. „Wissen, um Tierernährung zu verbessern, ist extrem nötig“, sagt Verena Stamm. In Burundi geben Kühe oft nur 3-4 Liter Milch täglich. Das Futtergras ist wenig nahrhaft. Die Bauern wissen nicht, welches Futter gut ist und wie die Milchproduktion gesteigert werden kann. Gezielte Verarbeitung von Milch oder angebautem Obst und Gemüse könnte regelmäßige Einkommen ermöglichen.

In Burundi ziehen sich die großen Organisationen zurück, die nach dem Krieg geholfen haben. Die Fondation Stamm, inzwischen im ganzen Land bekannt, bleibt und arbeitet mit der Regierung zusammen. In den 15 Jahren seit der Gründung hat sie viel erreicht. 170 Mitarbeiter sind fest beschäftigt. Verena Stamm hat weitere Pläne: Außer verbesserter Tierernährung ist ein modernes Mühlensystem sinnvoll und die Einstellung weiterer qualifizierter Lehrer. Denn Ernährung und Bildung sichern dem Menschen eine lebenswerte Zukunft.

Es sind oft Einzelne, die die Welt verändern. So auch hier in Burundi. Im Herzen Afrikas. Quer über den Globus setzen sich die Deutsche Verena Stamm in Burundi und die Kölnerin Martina Wziontek mit aller Kraft für eine bessere Zukunft des Landes ein.