Fundación ERBACHER » Noticias » Mit einer Studie bedankten wir uns für e...

27.11.2013

Mit einer Studie bedankten wir uns für ein geschenktes Huhn

Tushikane besucht ERBACHER-STIFTUNG und berichtet über Landraub in Tansania

Joachim Schmitt war 1993 zum ersten Mal in Tansania. Als er 2010 zusammen mit Frau und Kindern das Land, die Leute und bekannten Orte wieder besuchte, sprach er mit den Menschen, beobachtete, hörte zu. Schnell ahnte er: Hier stimmt etwas nicht. „An verschiedenen Stellen im Land bemerkte man eine eigenartige Irritation.“ Ab dem Moment konnte er nicht mehr ruhig schlafen. „Für das Huhn, das uns ein tansanischer Bauer zum Abschied schenkte, bedankten wir uns mit einer Befragungsstudie im Land.“ Das Ergebnis: Die Gründung des Vereins Tushikane und viel ehrenamtliches Engagement für die Landbevölkerung von Tansania.

Joachim Schmitt (Verein Tushikane) im Gespräch mit Heidrun Zeug (ERBACHER-STIFTUNG)

Tushikane besucht ERBACHER-STIFTUNG und berichtet über Landraub in Tansania

Joachim Schmitt war 1993 zum ersten Mal in Tansania. Als er 2010 zusammen mit Frau und Kindern das Land, die Leute und bekannten Orte wieder besuchte, sprach er mit den Menschen, beobachtete, hörte zu. Schnell ahnte er: Hier stimmt etwas nicht. „An verschiedenen Stellen im Land bemerkte man eine eigenartige Irritation.“ Ab dem Moment konnte er nicht mehr ruhig schlafen. „Für das Huhn, das uns ein tansanischer Bauer zum Abschied schenkte, bedankten wir uns mit einer Befragungsstudie im Land.“ Das Ergebnis: Die Gründung des Vereins Tushikane und viel ehrenamtliches Engagement für die Landbevölkerung von Tansania.

Die Landreform und ihre Folgen

Tansania ist in weiten Teilen fruchtbares Land und hat vielfach unerschlossene Bodenschätze. Land und Bodenbesitz werden – seit der Landreform 1999 – vom Traditionsrecht auf verbrieftes Recht überführt. Investitionen sollen in das Land fließen können und Wirtschaftswachstum möglich machen. Was in der Theorie nach Fortschritt aussieht, bereitet in der Praxis große Schwierigkeiten. „Es ist ein Gesetz ohne Praxis. Kraft und Geld fehlen, um das Gesetzt flächendeckend umzusetzen“, resümiert Schmitt. Ausländische Investoren wittern Geschäfte, kaufen zu Dumpingpreisen Land, z.B. für CO2 Kompensation in Industrieländern oder um Gold zu suchen. Häufig managt eine korrupte Bezirksregierung die Landverkäufe und übergeht die Rechte des Einzelnen, der von seinen Rechten nichts weiß. Investoren senden „Spione“ und nutzen temporäre Geldsorgen Einzelner, um das Land billigst zu erwerben. Verträge sind oft nicht rechtskräftig im Sinn des Gesetzes, doch rechtskräftig in der Praxis. Die Folgen sind dramatisch: Bauern, die von der Subsistenzwirtschaft leben, verlieren langfristig ihre Lebensgrundlage, Familien zerstreiten sich, weil sie uneins über den Verkauf des Landes sind. Extrem schwierig wird die Situation auch für Nomaden und Massai, die bisher ungenutztes Land für sich nutzen können.

Mentoren-Schulungen

Die ERBACHER-STIFTUNG finanziert in diesem Jahr Mentoren-Schulungen, die Tushikane in Kooperation mit der Kirche initiiert hat. Ziel der Schulungen ist Bewusstseinsbildung, Aufklärung und Sensibilisierung der tansanischen Bevölkerung im Kontext des Landrechts. „Allein ist Tushikane mit der Dimension überfordert“, so Schmitt, doch glücklicherweise konnte Tushikane Misereor auf die Probleme und den dringenden Handlungsbedarf im Land aufmerksam machen. Misereor wird sich nun für die Bewusstseinsbildung der Bauern von Tansania einsetzen, hilft bei der Projekt-Finanzierung, bei langfristigen Planungen und der Suche nach weiteren vertrauensvollen Partnern.

So schlimm wie Aids

Ein Bauer, den Joachim Schmitt in Tansania traf, vergleicht die Dramatik der Situation mit der Verbreitung von Aids: „Nur kam damals die Aufklärung zu spät.“ Dank Tushikane dürfen wir hoffen, dass für viele Menschen die Hilfe nun früh genug kommt. Wenn die Bauern ihre Rechte kennen und Verantwortung übernehmen, gestalten sie ihre Zukunft aktiv. Schmitt resümiert auf die Frage, wie die Entwicklungsarbeit im Land gelingen kann: „Ich brauche keine Hilfsempfänger vor Ort. Ich brauche Leute, die mit offenem Geist mitdiskutieren, Ziele durchdenken und diese formulieren. Nur dann ist Hilfe für die Menschen nachhaltig.“