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15.03.2011

Philippinische Wirtschaftsdelegation nach Kleinheubach eingeladen

Eine Delegation philippinischer Unternehmer und landwirtschaftlicher Produzenten war im Februar zu Besuch in Deutschland. Zu ihren Stationen gehörten neben der „Biofach“, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, in Nürnberg auch ein landwirtschaftlicher Betrieb im Odenwald sowie die Firmen Josera und Erbacher in Kleinheubach. Der Kontakt war über die ERBACHER-STIFTUNG und die AFOS-Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit zustande gekommen

Eine Delegation philippinischer Unternehmer und landwirtschaftlicher Produzenten war im Februar zu Besuch in Deutschland. Zu ihren Stationen gehörten neben der „Biofach“, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, in Nürnberg auch ein landwirtschaftlicher Betrieb im Odenwald sowie die Firmen Josera und Erbacher in Kleinheubach. Der Kontakt war über die ERBACHER-STIFTUNG und die AFOS-Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit zustande gekommen

Unter den Reiseteilnehmern war auch Dr. Edward Gaisano (54), Geschäftsführer der Metro Gaisano mit Sitz in Cebu City. Er zeigte sich am Tag der Rückkehr in seine Heimat sehr beeindruckt von der Arbeit der beteiligten Stiftungen: „Ich schätze es sehr, dass Menschen, die gerade erst in einen Wirtschaftsmarkt hineingekommen sind, aktiv ermutigt werden, globale Möglichkeiten zu suchen. Landwirtschaftliche Hersteller und industrielle Partner müssen sich gegenseitig ergänzen, um Produkte in hoher Qualität liefern zu können. Der Wettbewerb ist hart, aber er hat die Arbeitsmotivation und den Optimismus noch nicht gedämpft.“

Das Gemeinschaftsprojekt in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der WP Schmitz Stiftung hat ein finanzielles Volumen von ca. 380.000,- Euro. Es geht genauer gesagt um zwei Engagements auf bilateraler Ebene, denn während hierzulande die Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor insbesondere kleiner und mittlerer Betriebe immer weiter auf dem Rückzug ist, stellt sie auf den Philippinen den wichtigsten wirtschaftlichen Bereich dar.

Beim größeren dieser beiden Projekte gehören 56 philippinische Klein- und Kleinstbetriebe zu einem Konsortium von Partnern, die unter einem neuen Fair-Trade-Label mit dem Namen „Create Food“ einen Mehrwert ihrer Produkte durch Veredlung erzielen wollen. Das sind so unterschiedliche Erzeugnisse wie Fruchtsäfte, Trockenfrüchte, Chips aus Wurzelfrüchten, Saucen, Backwaren, Süßigkeiten aus Obst, Erdnussbutter, Marmeladen, Kaffee, Kakao, Teepuder, Nudeln, Fisch- und Fleischprodukte. Die lokale Regierung hat Standards für ein Minimum an Hygiene sowie Regelungen für die Verwaltung und den Vertrieb festgelegt, die ohne Unterstützung der kleinen Produzenten nicht eingehalten werden können. „Der Bürgermeister von Butuan, einer Stadt auf Mindanao, der zweitgrößten Insel im Süden der Philippinen, hat für den Bau einer Produktionsstätte des Konsortiums ein in dieser Region sehr begehrtes Grundstück von einem Hektar zur Verfügung gestellt“, berichtet Dr. Stephan Kunz, der Projektleiter des BKU und Country Director der AFOS-Stiftung. „Zukünftig sollen dort mit einer Auswahl technischer Fachkräfte acht Produktionslinien auf 800 m² Fläche gefahren werden.“

Das andere Projekt mit der Ausrichtung einer öffentlich-privaten Partnerschaft ist auf der Inselgruppe Visayas im Zentrum der Philippinen angesiedelt. Die Region Caraga, in der tropische Früchte wie Papaya, Mangos und Ananas angebaut, geerntet und getrocknet werden, ist die zweitärmste Region im Land. Bereits vor acht Jahren gab es innerhalb der Firma Erbacher die Überlegung, lokale Früchte mit tropischen für die Entwicklung eines neuen Müslis zu mischen. Geplant war damals schon eine Zusammenarbeit der Erzeuger vor Ort mit Erbacher als Spezialist für heimischen Dinkel und der Marktkette tegut. Über die Rahmenbedingungen dieser Kooperation wird derzeit noch verhandelt.

„Auf den Philippinen gibt es mittlerweile moderne Supermärkte, in denen die Mittelschicht einkauft. Ziel des Projektes ist die Belieferung dieser Supermärkte, später auch die Belieferung internationaler Märkte“, erklärt der Geschäftsführer Frank Erbacher. Arbeitsplätze der Produzenten auf dem Land, die ihre Waren ansonsten eher mühsam auf Marktplätzen verkaufen, sollen dadurch langfristig gesichert werden. „Das Problem hierbei sind hohe Standards im Hinblick auf Hygiene und Qualität, die von der lokalen Regierung vorgegeben werden. Wir müssen, wie auch im Create-Food- Projekt dafür sorgen, dass Produktionsort und Wohnort getrennt werden“, meint Erbacher.

Ein solches Vorhaben wäre ohne die Unterstützung der lokalen Behörden in Butuan, allen voran das Department for Trade and Industry (DTI) undenkbar. Für die Lebensmittelkontrolle kann das Labor der Universität in Butuan genutzt werden. Außerdem soll es Praktika in der Produktion für Studenten geben und zur Einführung der hohen Standards werden Experten hinzugezogen.

„Wir möchten weg kommen von den Armutsszenarien, die hier bei uns in den Köpfen der Leute weit verbreitet sind“, erläutert der Soziologe Kunz, der an der Entwicklung von Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards weltweit beteiligt ist und vor zwanzig Jahren als Freiwilliger auf die Philippinen ging, um an einem Müllberg-Projekt mitzuhelfen. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Töchtern in Cebu City. „In einer globalisierten Welt haben doch alle mehr oder weniger die gleichen Probleme. Mich hat die große Offenheit erstaunt, mit der man hier im Hause Erbacher auf die Philippinos zugeht. Das war nicht immer so in Deutschland. Leider ist die Entwicklungszusammenarbeit inzwischen zu einem bloßen Geschäft verkommen, in dem Gelder im großen Stil verschwendet werden. Wir achten darauf, dass die Hilfe auch tatsächlich den Menschen vor Ort zugute kommt und dass sie sich selbst eine Lebensgrundlage schaffen.“ Ohne Wissenstransfer und Bildung ist dies allerdings schwierig. Daher wird es die Zukunft der Projekte sein, Berufsakademien zu gründen, um den gegenseitigen Austausch zu fördern und die Qualität von Nischenprodukten in Nischenmärkten zu verbessern.