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17.03.2013

Reise nach Madagaskar – ein Bericht

Firmen-Mitarbeiterrinnen Luisa Bauer und Silvia Kuhn besuchen Stiftungsprojekt in Madagaskar.

Das Dorf Bebuzakah

Die Frauen von Bebuzakah haben gebacken.

Nähkurse ermöglichen ein Einkommen

Kleinkinder werden überallhin mitgenommen

Henriet lädt in ihr Häuschen ein

Luisa Bauer (EFI) und Silvia Kuhn (duales Studium Josera) setzen drei Wochen ihres Jahresurlaubs ungewöhnlich ein, sie sind soeben von ihrer Reise nach Madagaskar zurückgekehrt: Die Erbacher-Stiftung vermittelte ihnen den Kontakt zu einem der von ihr geförderten Projekte. „Wir werden unter den Einheimischen leben und erleben, wie solche Projekte aufgebaut sind. Die Chance zu so etwas Einmaligem haben wir vielleicht nie mehr“, freut sich Luisa Bauer im Vorfeld der Reise. Die beiden jungen Frauen entschieden sich für Abenteuer, Mithilfe und Verantwortung statt Pauschalurlaub.

In Madagaskar angekommen sind die Wetterverhältnisse so ungünstig, dass die beiden Reisenden einige Tage warten müssen, ehe sie zum Projekt aufbrechen können. Straßen sind in Folge des Hochwassers matschig oder überspült, mehrere Fähren fahren nicht. So zeigt sich direkt, was Einsatz in Entwicklungsländern vor allem bedeutet: Anpassen an die Gepflogenheiten und Gegebenheiten im Land, Akzeptieren von höherer Gewalt.

In der Hauptstadt Antananarivo besuchen Luisa Bauer und Silvia Kuhn das Büro des madagassischen Vereins FFA. Er ist lokaler Partner des Projekts, mit ihm arbeitet die Erbacher-Stiftung zusammen. FFA bedeutet: Fanatsarana ny farim-piainana eny Ambanyvohitra = Verbesserung des ländlichen Lebens. An der Südostküste Madagaskars liegen abgeschieden die Dörfer Nosy Varika und Bebozaka. Die Menschen dort sind sehr arm, kämpfen teils ums Überleben, Nahrungsmittel sind knapp. Alleinstehende Frauen und Witwen mit Kindern leben dort. FFA unterstützt sie durch Verteilung von Saatgut und Arbeitsgeräten, Anlegen und Bewirtschaften von Gemeinschafsfeldern, Ausbildung im Bereich Nähen, Kochen, Backen. Der Verein sensibilisiert die Frauen für gesunde und ausgewogene Ernährung und hilft, die Kinderbetreuung zu organisieren.

Das Projekt ist sehr erfolgreich und weist erstaunliche Ergebnisse vor. Die Frauen organisieren sich selbständig, Ernteerträge werden vermarktet und sichern ein kleines Einkommen, von dem wiederum neues Saatgut gekauft wird. Die Erbacher-Stiftung förderte in den letzten Jahren auch die Steigerung der Honigproduktion, das Anlegen einer Baumschule zur Pflanzung von Obstbäumen, Kaffee- und Kokospflanzen. Inzwischen trocknen und konservieren die Frauen Früchte und Gemüse. Die Unabhängigkeit der Frauen ist angestrebt. Dafür werden sie auch in sozialen Aktivitäten geschult. FFA leistet hervorragende Arbeit und verdeutlicht: Entwicklungshilfe gelingt dort, wo Menschen einander auf Augenhöhe begegnen.

In der Hauptstadt des Landes ist es laut – und stressig. Menschen klopfen schreiend an die Auto-scheiben, um den Deutschen Ware zu verkaufen. Auf den Dächern von Bussen werden lebende Hühner transportiert. Eine andere Welt. Als man zum Projekt aufbrechen kann, eine Tagesreise im Jeep steht bevor, ist dieser mit Waren für die Dörfer vollgepackt. „In der Dunkelheit dann endlich die Überquerung des letzten Flusses, ehe wir im Dorf Nosy Varika ankommen. Wir sitzen in einem schaukelnden Holzboot, mit dem uns ein Einheimischer über den Fluss rudert. Neben uns schwimmt plötzlich in der Dunkelheit etwas Großes, Unbekanntes. Ein Zebu-Rind!“, erzählt Silvia Kuhn. Im Dorf selbst gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom vom Generator. In der Nacht heißt es für die Reisenden, der Dunkelheit zu trauen und zu hoffen, dass keine Kakerlaken oder anderes Ungeziefer die Nachtruhe stören.

„Die Frauen begrüßen uns singend und überreichen uns eine kleine Tasche als Geschenk. Ich bin begeistert, wie sehr sie sich über unseren Besuch freuen. Viele Frauen lachen oft. Sie kommen mir glücklicher vor als viele Menschen bei uns, obwohl sie viel härter für alles arbeiten müssen“, erzählt Luisa Bauer. Die Lebenswirklichkeit der Menschen ist extrem. Gerade ist in Nosy Varika ein Mann im Zyklon ertrunken. Silvia Kuhn und Luisa Bauer erleben die Trauer der Betroffenen und auch den Wert der Gemeinschaft. Seit der Verein FFA die Frauen unterstützt, hat sich vieles geändert. Näh-, Koch- und Backkurse werden abgehalten, man kennt jetzt Brot als Nahrungsmittel und als Gut, das man verkaufen kann. Getrocknete Früchte werden verkauft und sichern den Frauen ein Einkommen. Felder werden bewirtschaftet, auch wenn sie jetzt gerade vom Regen überschwemmt sind.

Silvia Kuhn und Luisa Bauer erkennen, dass Entwicklungshilfe nicht einfach ist: Als sie drei kleine Hütten besuchen, erfahren sie, dass eine Bewohnerin die traditionelle Feuerstelle im Haus nicht aufgeben möchte. Dass der Qualm im Wohnbereich zu gravierenden gesundheitlichen Schwierigkeiten führen kann, zählt trotz Aufklärung des Vereins nicht. Wichtig ist die Tradition.

Die beiden Deutschen überzeugen sich, dass die finanzielle Unterstützung der Erbacher-Stiftung in Nosy Varika und Bebozaka Früchte trägt. „Dort wird etwas bewegt. Den Frauen geht es besser. Sie bedanken sich herzlich bei den Spendern und senden viele Grüße!“ Silvia Kuhn resümiert nach der Reise: „In diesem Land war alles neu für uns. Aber es war sehr interessant, ich wäre gern noch länger in den Dörfern geblieben. Es wäre spannend zu sehen, wie sich das Projekt weiterentwickelt, vielleicht in einigen Jahren, wenn es nicht mehr finanziell unterstützt wird, sondern auf eigenen Füßen steht.“