Bodenschutz in Aiquile und Mizque

Erosion und Degradierung der Felder gefährden in weiten Teilen Boliviens die Ertragsgrundlage vieler Kleinbauern und ihrer Familien. Im Munizip Mizque stellen Wasserknappheit und geringe Erträge die Menschen vor den täglichen Kampf ums Überleben. Ein Drittel der Kleinkinder unter drei Jahren leidet an chronischer Unterernährung. Nur etwa jede zweite Gemeinde hat direkten Zugang zu Trinkwasser. Wegen niedriger Erträge aus der Landwirtschaft arbeiten viele Männer des Munizips Aiquile als Saionarbeiter.

Umsetzung von Bodenschutz – Unterstützung von Kleinbauern

133 Kleinbauern und ihre Familien aus sieben Gemeinden profitieren direkt von diesem Projekt. Innerhalb der nächsten drei Jahre wollen sie ihre Lebensumstände mit Unterstützung verbessern.

Geplant sind Maßnahmen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Arbeit, so u.a.:

    • Beratung im organischen Landbau und in der Verwendung organischen Düngerns
    • Verbesserte Tieraufzucht
    • Hilfen bei der Lagerung des Saatgutes, beim Aufbau von Ställen und der Bekämpfung von Krankheiten
    • Installation von Treibhäusern
    • Unterstützung bei Versammlungen, beim Umsetzen von Kursen und inhaltlichem Austausch
    • Beratung bei der Umsetzung von Vermarktungsmöglichkeiten

    Auch im Bereich Bodenschutz sind Maßnahmen geplant:

    • Terrassenbau
    • Lokale Baumschulen produzieren derzeit über 30.000 Baum- und Obstbaumsetzlinge, um in den Gemeinden Agroforstbetriebe aufzubauen.

    Außer der umfassenden Beratung und der praktischen Unterstützung bei Boden- und Ressourcenschutz setzt sich der kirchliche Entwicklungsträger außerdem für die technisch-wissenschaftliche und soziale Förderung junger Frauen in den geförderten Gemeinden ein.

    Was wir bewirken

    „Bevor das Projekt in unserer Gemeinde begann, hat hier jeder für sich gearbeitet. Durch die Weiterbildung und die gemeinsame Arbeit haben wir gelernt, unseren Boden zu verbessern und uns gegenseitig zu unterstützen. Dafür sind wir der Organisation sehr dankbar.“
    Bauer Pablo Mamani Calle aus der Gemeinde Tacora

    Erfolge der letzten Jahre
    Im ersten Jahr standen Bodenschutz- und Wiederaufforstungsmaßnahmen im Vordergrund, um die fortschreitende Bodenerosion aufzuhalten. In den Jahrzehnten zuvor hat die Fruchtbarkeit der oft auf sehr steilen Hängen liegenden Felder stark abgenommen. Überweidung und Abholzung, aber auch erosionsfördernde Bearbeitungsmethoden der Kleinbauern sind die Hauptursachen dafür. Dazu kommt, dass aufgrund der großen Kinderzahl und der Erbfolgeregelung die Parzellen immer kleiner werden. Daraus folgt für die Männer ein großer Abwanderungsdruck in die naheliegenden Städte. Die Arbeit der örtlichen Organisation mit den Menschen zeigt nun viele Erfolge:

    • Terrassen wurden angelegt und Futtergräser angepflanzt.
    • Die Gewinnung von Kompostdünger und die Anlage von Gemüsegärten und Regenauffangbecken zur Bewässerung der Felder wurden gefördert.
    • Hunderte von Baumsetzlingen zur Wiederaufforstung wurden gepflanzt.
    • Die Ernteerträge der beteiligten Bauernfamilien sind beständig gestiegen: bei Kartoffeln um30 Prozent, bei Roggen um 10%, bei Bohnen um 15% und bei Zwiebeln um 20 Prozent.
    • Inzwischen bauen 95 Kleinbauernfamilien aus 13 Gemeinden Futtergräser auf ihren Weiden an.
    • Mehr als 2.700 Hektar erodierende Ackerflächen konnten für den landwirtschaftlichen Anbau zurückgewonnen werden.

    Gut besuchte Weiterbildungskurse

    • 80 neue Familien aus der Projektregion wurden durch Workshops und praktische Feldarbeit in den Grundlagen nachhaltiger Landwirtschaft geschult.
    • Am Kurs zu Herstellung und Anwendung von biologischem Dünger haben 117 Männer und 74 Frauen teilgenommen.
    • Bei den Kursen über gesunde Ernährung wirde u.a. über die Nährstoffe der einzelnen Agrarprodukte informiert. In Kursen zur Herstellung von alternativer Medizin aus heimischen Heilkräutern lernten 31 Frauen und 17 Männer Eukalyptusblätter, Rosmarin und andere Pflanzen zu Heilsalben und Cremes zu verarbeiten.

    Feldbesuche bei Bauern in den Nachbargemeinden sind Teil des Weiterbildungsprogramms. Die Teilnehmenden tauschen ihre Erfahrungen aus. Die Berater der örtlichen Organisation wissen: Nichts wirkt motivierender auf ihre Klientel als die Feldbegehungen vor Ort und die eigene Anschauung.

    Stiftungsrat-Mitglied Dieter Heinen zu Besuch vor Ort

    Während einer dreiwöchigen Reise durch Peru und Bolivien besucht Stiftungsrat-Mitglied Dieter Heinen auch dieses Projekt. Hier geht's zum Reisebericht.

    Das Projekt

    LandBolivien
    PartnerMisereor
    Zielgruppe133 Kleinbauernfamilien aus sieben Gemeinden der Munizipien Mizque und Aiquile

    Der Vergleich

    LandDeutschland
    Lebenserwartung66,5 Jahre80,7 Jahre
    Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
    per 1000 Lebendgeburten
    50,64
    Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre91,1%k.A.
    Einwohnerdichte (Personen pro km²)9,3234,6

    Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013