Prinzip „Eine Kuh – eine Familie“

Die ERBACHER-STIFTUNG arbeitet mit Verena Stamm, der Gründerin der Fondation Stamm, in Burundi zusammen. Das Projekt besteht dort seit 1999, im Norden des Landes seit 2005 und wird ungefähr zweimal pro Monat besucht. Auf Demonstrationsfeldern werden verbesserte Sorten von Maniok, Bohnen, Süßkartoffeln und Bananenstauden sowie viele verschiedene Gemüsesorten angepflanzt. Da einige Gemüsesorten bislang nicht verwendet wurden, musste zunächst Vertrauen geschaffen werden und es gab Kochunterricht mit „Probekosten“. Das Projektziel liegt in der Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge vieler Kleinbauern im Norden des Landes, um gegen die Armut und den Hunger zu kämpfen. Die Bauern sollen zur professionellen Landwirtschaft angeregt werden, d.h. dass sie natürlichen Dünger verwenden, die Schädlingsbekämpfungsmethoden verbessern und möglichst viel Gemüse anpflanzen. Aufforstungsprogramme sind ein wichtiger Bestandteil des Erosionsschutzes. Es werden Baumsorten und Sträucher gepflanzt, die einen Schutz vor Erosion gewährleisten und die Familien mit Brennholz versorgen, ein noch immer wichtiger Bestandteil der Energie.

Lebenswerte Zukunft für viele Familien

Tiere haben einen hohen Stellenwert für die Kleinbauern. Sie tragen genauso zur Ernährungssicherung bei und sorgen für den Naturdünger. Wichtig ist hier die Ausbildung oder Training der Bauern um selbstständig die Tiere behandeln zu können. Auch die gute Stallführung und Nahrung der Tiere ist wichtig. 400 Familien werden mit den schädlingsresistenten Maniokpflanzen und v.a. Bananenstauden versorgt. Ebenso bekommt jede Familie einen Grundstock von Gemüsesaatgut, deren Ernte oder der Überschuss der Ernte in der bereits existierenden Kooperative verkaufen werden kann. 40 Familien bekommen eine Kuh, die zur Milchproduktion und natürlichem Dünger beiträgt. 60 Schüler pro Jahr mit höherem Niveau bekommen eine gute Schulausbildung zum Tiergesundheitshelfer, in einem eigens dafür ausgestatteten Labor und 100 Frauen erhalten Mikrokredite.

Das Projekt

LandBurundi
PartnerFondation Stamm
ZielgruppeDie Menschen in der Region Ngozi
Kostenbeispiele

40 Euro: Kosten für die ausgewogene Ernährung einer Person für 2 Wochen
50 Euro: Miete für einen Marktstand im Zentralmarkt von Ngozi
100 Euro: Preis für eine neugeborene Kuh

Weitere Beispiele finden Sie hier.

Der Vergleich

BurundiDeutschland
Lebenserwartung50,3 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
139,14
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre67,1 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)333,9234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013

Entwicklung des Projektes

30.07.2014: ERBACHER-STIFTUNG unterstützt Fondation Stamm weiterhin

Die Herausforderungen, denen sich die Fondation Stamm in Burundi stellt, sind enorm. Nach wie vor wächst die Armut der ländlichen Bevölkerung. Das Defizit in der Ernährung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Annähernd 75 % der Gesamtbevölkerung hat keine Ernährungssicherheit, 70 % lebt sogar unterhalb der absoluten Armutsgrenze. 

Burundis Wirtschaft basiert v.a. auf dem landwirtschaftlichen Sektor. Er beschäftigt 90 % der Gesamtbevökerung, produziert 95 % der Lebensmittel und generiert 90 % der Umsätze. Die enorme Zersplitterung der Anbauflächen und weitgehend verbreitete Subsistenzwirtschaft führen allerdings zu sehr geringer Produktivität und ständiger Ernährungsunsicherheit.

Die Fondation Stamm ist inzwischen in vielen Provinzen des Landes aktiv, in Ngozi, Muyinga, Bururi, Cankuzo und Gitega. Sie setzt Schwerpunkte ihrer Arbeit in Ernährungssicherheit, Ausbildung und Aufforstung.

Konkret unterstützt die ERBACHER-STIFTUNG derzeit folgende Vorhaben:

  • Anbau von Grundnahrungsmitteln und deren Weiterverarbeitung (Kartoffeln, Bananen, Sonnenblumen)
  • Entwicklung von Saatkartoffen
  • Bau eines Treibhauses für verschiedene Bananensorten unter sterilen Bedingungen, um lokale Krankheiten zu bekämpfen
  • Aufforstung als Schutz gegen Erosion und Förderung der Agroforstwirtschaft
  • Ausbildung von Jugendlichen (Diplom in Landwirtschaft und Viehzucht), Bereitstellung von Internatsplätzen

26.09.2013: Einzelne verändern die Welt – auch im Herzen Afrikas: Burundi

26.09.2013

Einzelne verändern die Welt – auch im Herzen Afrikas: Burundi

Verena Stamm aus Burundi und Martina Wziontek aus Köln zu Besuch bei der ERBACHER-STIFTUNG:

Vortrag für die Mitarbeiter von Josera/Erbacher

Verena Stamm (li) und Martina Wziontek (re)

Verena Stamm aus Burundi und Martina Wziontek aus Köln zu Besuch bei der ERBACHER-STIFTUNG:

Vortrag für die Mitarbeiter von Josera/Erbacher

„Ich ging der Liebe wegen nach Burundi, heiratete meinen heutigen Mann, der in Deutschland studiert hatte und zog mit ihm in seine Heimat.“ Seit 40 Jahren lebt Verena Stamm in Burundi. Arbeitete dort. Blieb während des Krieges. Verändert das Land nach dem Krieg – bis heute.

Martina Wziontek wollte nur eine Afrika-Reise machen. Gut vorbereitet schloss sie sich 2002 der Kriegs- und Krisenfotografin Ursula Meissner an. Die beiden hörten von Verena Stamm, die in Burundi seit 1996 mit eigenen Mitteln zwei kleine Heime für Kriegswaisen aufgebaut hatte und unterhielt. „Nach drei Tagen mit Verena Stamm war es mit meiner Souveränität vorbei. Was ich sah, verschlug mir die Sprache.“ Frau Stamm, eine Frau der Taten, schlug der Kölner Architektin kurzerhand vor, in Burundi eine Schule zu bauen. Für Martina Wziontek trat Erleichterung an die Stelle des Entsetzens: „Ich kann mit meinem Beruf etwas wirklich Sinnvolles machen!“

2004 stand die Schule, außerdem eine kleine Klinik mit gynäkologischer Abteilung. Verena Stamms Fondation Stamm in Burundi arbeitet seitdem mit Martina Wzionteks deutschem Verein Burundikids zusammen. Burundikids hat sie als deutsche Unterstützungsmöglichkeit für die Fondation Stamm gegründet. 24 Mal war Martina Wziontek inzwischen in Burundi.

ERBACHER-STIFTUNG unterstützt Fondation Stamm

Auf die Frage, woher ihre Motivation für ihren Einsatz komme, antwortet Frau Stamm: „Man kann das Leid nicht mehr mitansehen. Die Armut und die Straßenkinder am Ende des Krieges – mit ihnen wuchs die Motivation. Es sind zuerst die Straßenkinder und die Mütter. Für sie möchte man eine Verbesserung und gute Gesundheit. Dann natürlich eine gute Ausbildung für die Kinder. Und gute Ernährung. Dann können sie gut auf dem Land leben. Man hat eine Vision, natürlich.“
 
Frau Stamm setzt sich inzwischen nicht nur für Waisenkinder und ehemalige Kindersoldaten ein, sie unterhält Heime für junge Mütter und ermöglicht ihnen, die Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Auf Anfrage der burundischen Regierung hat die Fondation Stamm ein Heim gebaut, in dem Menschen mit Albinismus-Erkrankung sicher leben können. Was wir erfahren, ist entsetzlich: „Das Problem kommt aus Tansania. Menschen mit dieser angeborenen Pigmentstörung werden gejagt, umgebracht, zerstückelt und teuer verkauft für rituelle Zwecke. So hält man z.B. ihren Kopf ins Wasser, um einen guten Fischfang zu erzielen.“
In Burundi leben 80-90 % der Menschen von der Landwirtschaft. Vielfach fehlt jedoch fachliches Wissen. Wasser ist genug vorhanden, der Boden ist fruchtbar. Landflucht ist in Burundi mit 10 % gering. Effektivere Landwirtschaft kann bessere Lebensumstände ermöglichen. Deswegen setzt die Fondation Stamm hier an. Die ERBACHER-STIFTUNG unterstützt sie dabei.

Bananen-Projekt

Eine Krankheit, die Bananen befällt, konnte mit Stiftungshilfe bekämpft werden: Die Pflanze wird desinfiziert, der Boden sterilisiert, die Pflanze wieder eingepflanzt und, nun gesund, vermehrt. Dieses Projekt ist so erfolgreich, dass auch die Regierung Burundis inzwischen mitmacht.

Landwirtschaftliche Ausbildung

Familien erhalten eine Kuh und Saatgut. Die Bauern bauen viele verschiedene Gemüsesorten an, die sie vor einigen Jahren nicht kannten. Die Menschen ernähren sich gesünder und verkaufen Überschüsse. Ihre Ernährungssituation verbessert sich. In neunmonatigen Praktika bildet die Fondation Tiergesundheitshelfer aus, die sich in der Landwirtschaft auskennen und Bauern beratend mit ihrem Wissen unterstützen. Viele Praktikanten wollen mehr lernen. Verena Stamm reagiert, die ERBACHER-STIFTUNG unterstützt sie: Nun bietet die Berufsschule eine 4jährige Ausbildung zum Tierarzthelfer mit Diplomabschluss an. In einem Labor arbeiten diplomierte Tierärzte.
Aufforstung
67 % der Wälder Burundis sind abgeholzt. Verena Stamm pflanzt neue Bäume in Kooperation mit den Schulen: 120.000 Setzlinge werden 2013 mit Unterstützung der ERBACHER-STIFTUNG gepflanzt, um Erosion vorzubeugen, denn guter Humus fließt in der Regenzeit in den angrenzenden Tanganjika-See.

Wie geht es weiter?

Ideen und Ziele hat Verena Stamm viele, aber „ich arbeite, mit dem, was ich habe und was mir zur Verfügung steht. Ist es viel, können wir viel umsetzen. Ist es wenig, schaffen wir weniger.“ Solar- und Photovoltaik-Projekte sind vielversprechend. „Wissen, um Tierernährung zu verbessern, ist extrem nötig“, sagt Verena Stamm. In Burundi geben Kühe oft nur 3-4 Liter Milch täglich. Das Futtergras ist wenig nahrhaft. Die Bauern wissen nicht, welches Futter gut ist und wie die Milchproduktion gesteigert werden kann. Gezielte Verarbeitung von Milch oder angebautem Obst und Gemüse könnte regelmäßige Einkommen ermöglichen.

In Burundi ziehen sich die großen Organisationen zurück, die nach dem Krieg geholfen haben. Die Fondation Stamm, inzwischen im ganzen Land bekannt, bleibt und arbeitet mit der Regierung zusammen. In den 15 Jahren seit der Gründung hat sie viel erreicht. 170 Mitarbeiter sind fest beschäftigt. Verena Stamm hat weitere Pläne: Außer verbesserter Tierernährung ist ein modernes Mühlensystem sinnvoll und die Einstellung weiterer qualifizierter Lehrer. Denn Ernährung und Bildung sichern dem Menschen eine lebenswerte Zukunft.

Es sind oft Einzelne, die die Welt verändern. So auch hier in Burundi. Im Herzen Afrikas. Quer über den Globus setzen sich die Deutsche Verena Stamm in Burundi und die Kölnerin Martina Wziontek mit aller Kraft für eine bessere Zukunft des Landes ein.

3.7.2013: Fotos aus Burundi

Philip Zieser schickt uns Fotos aus Burundi.

WDR-Dokumentation über Burundi berichtet über Fondation Stamm und Burundi Kids

Eindrücklich zeigt die Reportage die schwere Lage, in der sich Kinder in Burundi noch immer befinden. Nach 13 Jahren Krieg mit über 300.000 Toten und von Aids und Hunger gezeichnet, ist die Lage im Land noch immer unsicher und häufig sehr grausam. Die bekannte Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger reist nach Burundi und besucht Menschen, die die Not lindern.

Sie trifft Verena Stamm, die Gründerin der Fondation Stamm, die seit vierzig Jahren in Burundi lebt und den Einwohnern hilft, ihre Lage selbst zu verbessern. Und sie trifft die Kölner Architektin Martina Wziontek, die vor zehn Jahren die Hilfsorganisation Burundikids gründete. Bettina Böttinger macht sich vor Ort ein Bild vom Einsatz der Spendengelder.

Sie finden die Sendung unter:

www.wdr.de/tv/tag7/sendungsbeitraege/2012/1202/mit_bettina_boettinger_im_aermsten_land_der_welt.jsp

28.7.2013: Leben ist teuer geworden

28.07.2013

Leben ist teuer geworden in Burundi

„La vie est cher“ – das Leben ist teuer geworden, beklagen sich die meisten Menschen in Burundi. Es trifft diejenigen am härtesten, die ohnehin nicht viel zum Leben haben. Ob Bauer, Kleinhändler oder Transporteur: Alle müssen sie hart arbeiten, um sich ihren Teller Maisbrei mit Bohnen am Abend – eventuell – leisten zu können. Wird ein Familienmitglied krank, kann das schnell zur finanziellen Katastrophe führen.

Im Vergleich zu 2006 haben sich die meisten Preise verdoppelt, manche sogar verdreifacht. Zur Explosion der Preise aller Güter führten Spekulationen mit Nahrungsmitteln auf der anderen Erdhalbkugel, der Wertverlust des burundischen Francs gegenüber Dollar und Euro und schließlich der katastrophale Brand des Zentralmarkts der Hauptstadt Bujumbura, der wirtschaftlichen Lunge Burundis.

„La vie est cher“ – das Leben ist teuer geworden, beklagen sich die meisten Menschen in Burundi. Es triftt diejenigen am härtesten, die ohnehin nicht viel zum Leben haben. Ob Bauer, Kleinhändler oder Transporteur: Alle müssen sie hart arbeiten, um sich ihren Teller Maisbrei mit Bohnen am Abend – eventuell – leisten zu können. Wird ein Familienmitglied krank, kann das schnell zur finanziellen Katastrophe führen.

Im Vergleich zu 2006 haben sich die meisten Preise verdoppelt, manche sogar verdreifacht. Zur Explosion der Preise aller Güter führten Spekulationen mit Nahrungsmitteln auf der anderen Erdhalbkugel, der Wertverlust des burundischen Francs gegenüber Dollar und Euro und schließlich der katastrophale Brand des Zentralmarkts der Hauptstadt Bujumbura, der wirtschaftlichen Lunge Burundis.

MIt wenig kann Großes erreicht werden:

Für 30 Euro kann man:

  • einen kleinen Marktstand auf der Straße eröffnen, z.B. für Erdnüsse oder Früchte (Orangen, Mandarinen, Bananen etc.)
  • eine Ziege der lokalen Rasse kaufen
  • drei Hosen oder vier Hemden kaufen

Für 40 Euro kann man:

  • eine Miete bezahlen für ein kleines Haus mit zwei Zimmern und Wohnzimmer (ohne Bad bzw. Waschstelle im Hof)
  • eine Person zwei Wochen lang halbwegs ausgewogen ernähren, z.B. mit Maniokbrei, Reis, Bohnen, Kartoffeln oder Bananen, Palmöl, Salz und Gemüse.
  • einen Marktstand auf der Straße für Holzkohle eröffnen
  • einen großen Sack Reis kaufen (50kg)

Für 50 Euro kann man:

  • einen richtigen Marktstand im Zentralmarkt von Ngozi einen Monat lang mieten
  • ein gebrauchtes Fahrrad kaufen
  • ein komplettes (Tisch-)Service für eine Familie kaufen

Für 100 Euro kann man:

  • eine kleine Boutique eröffnen für Allerlei (Kerzen, Schulhefte, Kugelschreiber, Zigaretten, Seife, etc.)
  • eine neugeborene Kuh kaufen

(Beispiele für die Provinz Ngozi im Norden Burundis)

Wenn Sie die Menschen in Ngozi unterstützen möchten, klicken Sie hier.

Mehr über das Projekt erfahren Sie hier.