Ernährungssicherheit für Frauen und Kinder

Die Region Nosy Varika besteht aus vielen Dörfern, die je nach Jahreszeit total von der Außenwelt abgeschnitten sind. Es leben dort viele verwitwete Frauen oder Frauen, deren Männer in die Stadt zogen und nie mehr zurück kamen. Da die Infrastruktur extrem schlecht ist, das Wissen der Frauen sehr gering, Stürme über die Region ziehen und die geringe landwirtschaftliche Produktion starken jahreszeitlich bedingten Schwankungen unterliegt, kämpfen die Frauen um das tägliche Überleben ihrer Kinder. 45 % der Kinder leiden aufgrund chronischer Mangel- und Unterernährung an Wachstumsstörungen, 25 % sind nicht eingeschult, nur 8 % der Kinder können nach der Grundschule ihre Ausbildung fortsetzen.

In den letzten Jahren wurden bereits kleine „Vorprojekte“ durchgeführt. Diese haben zu sehr großen Erfolgen geführt. Deshalb wird auf Wunsch der beteiligten Frauen ein größer angelegtes Projekt mit folgenden Aktivitäten durchgeführt:

  • Ausbildung in Buchhaltung, Ressourcenverwaltung und interner Organisation
  • Jede Frauengruppe bewirtschaftet eine Fläche von 3 h als Demofeld. Saatgut und Geräte werden verteilt. Es gibt einen Betreuer und Lehrer.
  • Bearbeitung der privaten Flächen unter Anleitung.
  • Suche nach Absatzmärkten.
  • Zubereitung von Gemeinschaftsmahlzeiten und Austausch über aktuelle Themen.
  • Regelmäßige Hausbesuche.
  • Planung weiterer Projektaktivitäten, z.B. Herstellung von Honig.

Das Projekt hat Einkünfte durch die monatlichen Beiträge der Frauen und durch die Einkünfte aus dem Verkauf der Ernteerträge. Hiervon wird neues Saatgut gekauft.

Was wir bewirken

Henriet, 56 Jahre, 6 Kinder

Zehn Jahre ging Henriet zur Schule, dann wurde sie schwanger. Einen Schulabschluss hat sie nicht. Ihr Leben war schwierig. Henriet sammelte Rohmaterial von der Raffia Palme für das Kunsthandwerk und verkaufte es. Außerdem baute sie Reis an. Ihr Leben bestand aus Unsicherheiten: Gab es keine Käufer oder war die Reisernte infolge Überschwemmung zerstört, stieß sie an die Existenzgrenze.

Seit sich der Verein FFA in Nosy Varika einsetzt, geht es Henriet deutlich besser. Sie bewohnt eine neue Hütte neben dem Gemeinschaftshaus und ist als 'Wächterin' verantwortlich für alle Materialien, die im Gemeinschaftshaus gelagert werden. Außerdem belegt Henriet einen Kunsthandwerk- und Backkurs. Sie arbeitet auf den Gemeinschaftsfeldern und bewirtschaftet inzwischen einen eigenen kleinen Gemüsegarten. 

Henriet hat nun regelmäßige Einkunftsquellen, mehrere Möglichkeiten, Geld zu verdienen: Verkauf von Gemüse, von selbstgenähten Hüten und gebackenen Brioche. Henriet ist sehr froh und dankbar über die Unterstützung.

Der Vergleich

MadagaskarDeutschland
Lebenserwartung66,6 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
61,64
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre64,4 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)36,6234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013

Entwicklung des Projektes

30.07.2014: ERBACHER-STIFTUNG unterstützt Gemeinde Nosy Varika weiterhin

Die ERBACHER-STIFTUNG unterstützt weiterhin Vorhaben des madagassischen Vereins FFA. Sie haben zum Ziel, durch landwirtschaftliche, ökonomische und soziale Hilfestellungen den Lebensunterhalt der alleinstehenden oder verwitweten Frauen abzusichern. So kann sich die Ernährungssituation der Frauen und ihrer Kinder verbessern. 120 Frauen leben in den Frauengruppen der Dörfer Andonaka und Fenoarivo, die zur Gemeinde Nosy Varika gehören. FFA unterstützt sie derzeit mit konkreten Maßnahmen:

  • Ausbildung in Buchhaltung, Ressourcenverwaltung und interner Organisation
  • Technische Betreuung auf den angelegten Demonstratons- und Privatfeldern sowie Verteilung von Saatgut und Arbeitmaterial
  • Suche nach rentablen Absatzmärkten für die Anbauprodukte
  • Zubereiten von Gemeinschaftsmahlzeiten
  • Regelmäßige Hausbesuche

04.07.2013: Sie wandern singend vom Feld, obwohl sie durch Matsch laufen

04.07.2013

Sie wandern singend vom Feld, obwohl sie durch Matsch laufen

Die ERBACHER-STIFTUNG ermöglicht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Josera und Erbacher eine Begegnung mit Menschen in Entwicklungs-Projekten, die von der Stiftung unterstützt werden. Die Besucher haben die Möglichkeit, die Situation im Projekt vor Ort kennenzulernen und dort auch mitzuarbeiten.

Die ERBACHER-STIFTUNG ermöglicht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Josera und Erbacher eine Begegnung mit Menschen in Entwicklungs-Projekten, die von der Stiftung unterstützt werden. Die Besucher haben die Möglichkeit, die Situation im Projekt vor Ort kennenzulernen und dort auch mitzuarbeiten.

Diese Gelegenheit nutzten Silvia Kuhn und Luisa Bauer im Frühjahr 2013 und reisten in zwei abgelegene Dörfer in Madagaskar. Nun vermittelten sie ihren Kolleginnen und Kollegen in einem Bildvortrag einen lebendigen Eindruck von ihrer spannenden Reise und von der Situation der Frauen und Kinder in den Döfern Bebuzakah und Nozy Varika. Die zahlreichen Zuschauer und die vielseitigen interessierten Rückfragen zeigen, dass das Engagement der Stiftung auch die Mitarbeiter der Firmen bewegt. Genau das ist auch eines der Anliegen der Stiftung: Den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus auf die Kulturen der Menschen in anderen Ländern und Kontinenten zu weiten.

Der madagassische Verein FFA, den die ERBACHER-STIFTUNG finanziell unterstützt, arbeitet sehr erfolgreich. Sein Hauptziel ist die langfristige soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Familien durch die gezielte Förderung von Frauen z.B. in der Landwirtschaft. Neue Einkommensquellen werden geschaffen. Hat der Verein in einem Dorf dieses Ziel erreicht, zieht er sich zurück und beginnt die Arbeit in einem neuen. So ist die Nachhaltigkeit und Verbreitung der Ideen garantiert. Die stetige Verbesserung der Lebensqualität bestätigt die hervorragende Arbeit, die FFA leistet.

Und was konnten Luisa Bauer und Silvia Kuhn nun persönlich von der Reise mitnehmen, fragte einer der Zuschauer. „Es ist die Fröhlichkeit der Menschen dort, die trotz ihrer Armut so glücklich wirken. Sie wandern singend vom Feld. Und das, obwohl sie durch den Matsch laufen. Das ist ein Moment, den wir nicht vergessen möchten.“

Wenn Sie den Frauen in Bebuzakah und Nozy Varika helfen möchten, klicken Sie bitte hier.

17.03.2013: Reise nach Madagaskar – ein Bericht

17.03.2013

Reise nach Madagaskar – ein Bericht

Firmen-Mitarbeiterrinnen Luisa Bauer und Silvia Kuhn besuchen Stiftungsprojekt in Madagaskar.

Das Dorf Bebuzakah

Die Frauen von Bebuzakah haben gebacken.

Nähkurse ermöglichen ein Einkommen

Kleinkinder werden überallhin mitgenommen

Henriet lädt in ihr Häuschen ein

Luisa Bauer (EFI) und Silvia Kuhn (duales Studium Josera) setzen drei Wochen ihres Jahresurlaubs ungewöhnlich ein, sie sind soeben von ihrer Reise nach Madagaskar zurückgekehrt: Die Erbacher-Stiftung vermittelte ihnen den Kontakt zu einem der von ihr geförderten Projekte. „Wir werden unter den Einheimischen leben und erleben, wie solche Projekte aufgebaut sind. Die Chance zu so etwas Einmaligem haben wir vielleicht nie mehr“, freut sich Luisa Bauer im Vorfeld der Reise. Die beiden jungen Frauen entschieden sich für Abenteuer, Mithilfe und Verantwortung statt Pauschalurlaub.

In Madagaskar angekommen sind die Wetterverhältnisse so ungünstig, dass die beiden Reisenden einige Tage warten müssen, ehe sie zum Projekt aufbrechen können. Straßen sind in Folge des Hochwassers matschig oder überspült, mehrere Fähren fahren nicht. So zeigt sich direkt, was Einsatz in Entwicklungsländern vor allem bedeutet: Anpassen an die Gepflogenheiten und Gegebenheiten im Land, Akzeptieren von höherer Gewalt.

In der Hauptstadt Antananarivo besuchen Luisa Bauer und Silvia Kuhn das Büro des madagassischen Vereins FFA. Er ist lokaler Partner des Projekts, mit ihm arbeitet die Erbacher-Stiftung zusammen. FFA bedeutet: Fanatsarana ny farim-piainana eny Ambanyvohitra = Verbesserung des ländlichen Lebens. An der Südostküste Madagaskars liegen abgeschieden die Dörfer Nosy Varika und Bebozaka. Die Menschen dort sind sehr arm, kämpfen teils ums Überleben, Nahrungsmittel sind knapp. Alleinstehende Frauen und Witwen mit Kindern leben dort. FFA unterstützt sie durch Verteilung von Saatgut und Arbeitsgeräten, Anlegen und Bewirtschaften von Gemeinschafsfeldern, Ausbildung im Bereich Nähen, Kochen, Backen. Der Verein sensibilisiert die Frauen für gesunde und ausgewogene Ernährung und hilft, die Kinderbetreuung zu organisieren.

Das Projekt ist sehr erfolgreich und weist erstaunliche Ergebnisse vor. Die Frauen organisieren sich selbständig, Ernteerträge werden vermarktet und sichern ein kleines Einkommen, von dem wiederum neues Saatgut gekauft wird. Die Erbacher-Stiftung förderte in den letzten Jahren auch die Steigerung der Honigproduktion, das Anlegen einer Baumschule zur Pflanzung von Obstbäumen, Kaffee- und Kokospflanzen. Inzwischen trocknen und konservieren die Frauen Früchte und Gemüse. Die Unabhängigkeit der Frauen ist angestrebt. Dafür werden sie auch in sozialen Aktivitäten geschult. FFA leistet hervorragende Arbeit und verdeutlicht: Entwicklungshilfe gelingt dort, wo Menschen einander auf Augenhöhe begegnen.

In der Hauptstadt des Landes ist es laut – und stressig. Menschen klopfen schreiend an die Auto-scheiben, um den Deutschen Ware zu verkaufen. Auf den Dächern von Bussen werden lebende Hühner transportiert. Eine andere Welt. Als man zum Projekt aufbrechen kann, eine Tagesreise im Jeep steht bevor, ist dieser mit Waren für die Dörfer vollgepackt. „In der Dunkelheit dann endlich die Überquerung des letzten Flusses, ehe wir im Dorf Nosy Varika ankommen. Wir sitzen in einem schaukelnden Holzboot, mit dem uns ein Einheimischer über den Fluss rudert. Neben uns schwimmt plötzlich in der Dunkelheit etwas Großes, Unbekanntes. Ein Zebu-Rind!“, erzählt Silvia Kuhn. Im Dorf selbst gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom vom Generator. In der Nacht heißt es für die Reisenden, der Dunkelheit zu trauen und zu hoffen, dass keine Kakerlaken oder anderes Ungeziefer die Nachtruhe stören.

„Die Frauen begrüßen uns singend und überreichen uns eine kleine Tasche als Geschenk. Ich bin begeistert, wie sehr sie sich über unseren Besuch freuen. Viele Frauen lachen oft. Sie kommen mir glücklicher vor als viele Menschen bei uns, obwohl sie viel härter für alles arbeiten müssen“, erzählt Luisa Bauer. Die Lebenswirklichkeit der Menschen ist extrem. Gerade ist in Nosy Varika ein Mann im Zyklon ertrunken. Silvia Kuhn und Luisa Bauer erleben die Trauer der Betroffenen und auch den Wert der Gemeinschaft. Seit der Verein FFA die Frauen unterstützt, hat sich vieles geändert. Näh-, Koch- und Backkurse werden abgehalten, man kennt jetzt Brot als Nahrungsmittel und als Gut, das man verkaufen kann. Getrocknete Früchte werden verkauft und sichern den Frauen ein Einkommen. Felder werden bewirtschaftet, auch wenn sie jetzt gerade vom Regen überschwemmt sind.

Silvia Kuhn und Luisa Bauer erkennen, dass Entwicklungshilfe nicht einfach ist: Als sie drei kleine Hütten besuchen, erfahren sie, dass eine Bewohnerin die traditionelle Feuerstelle im Haus nicht aufgeben möchte. Dass der Qualm im Wohnbereich zu gravierenden gesundheitlichen Schwierigkeiten führen kann, zählt trotz Aufklärung des Vereins nicht. Wichtig ist die Tradition.

Die beiden Deutschen überzeugen sich, dass die finanzielle Unterstützung der Erbacher-Stiftung in Nosy Varika und Bebozaka Früchte trägt. „Dort wird etwas bewegt. Den Frauen geht es besser. Sie bedanken sich herzlich bei den Spendern und senden viele Grüße!“ Silvia Kuhn resümiert nach der Reise: „In diesem Land war alles neu für uns. Aber es war sehr interessant, ich wäre gern noch länger in den Dörfern geblieben. Es wäre spannend zu sehen, wie sich das Projekt weiterentwickelt, vielleicht in einigen Jahren, wenn es nicht mehr finanziell unterstützt wird, sondern auf eigenen Füßen steht.“