Die Grüne Diözese Farafangana

In Madagaskar ist der Wald oft zerstört, Erosion und der Verlust von fruchtbarem Boden sind die Folge. Die Menschen können sich nur noch schwer selbst ernähren. Die meisten Menschen auf Madagaskar leben von der Landwirtschaft. Leider wissen sie oft nicht, wie sie die Erträge steigern können. Oder es fehlen die Mittel, um sich z.B. gutes Saatgut zu beschaffen. Die Familien in den Dörfern sind nach der Reisernte häufig gezwungen, einen Teil ihres Ertrages billig zu verkaufen und müssen dann selber vor der nächsten Ernte Hunger leiden.

Die „Grüne Diözese“ Farafangana an der Südostküste des Landes ist eine Idee des dortigen Bischofs. In Beaucamp entsteht zurzeit ein landwirtschaftliches Versuchs- und Ausbildungszentrum, das die Not lindern soll.

Tafita

Tafita heißt eigentlich Bertrand Ogilvie Tafitasoa, aber alle nennen ihn Tafita. Er hat 2010/11 als Missionar auf Zeit ein Jahr auf dem Jugendbauernhof in Hardehausen in der deutschen Diözese Paderborn gelebt. Nun entwickelt er in seiner Heimat in Zusammenarbeit mit Bischof Benjamin Ramaroson, Mitarbeitern der Diözese und der Caritas ein Konzept, um landwirtschaftliche Erträge der Bevölkerung zu steigern.

Wir sehen den ganzen Menschen

Im Centre Lucien Botovasoa in Beaucamp werden derzeit Katecheten ausgebildet. Bischof Ramaroson erklärt: „Die Katecheten sind Träger der Entwicklung und sollen sowohl das Evangelium als auch neue landwirtschaftliche Methoden in ihre Dörfer tragen.“ Denn, so ist der Bischof überzeugt: „Die Evangelisierung muss einhergehen mit der Entwicklung der Menschen.“ So kann die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung stabilisiert und langfristig verbessert werden.

Die Versuchsfelder

In Beaucamp gibt es etwa 10.000 m² brachliegendes Land, das nun zu Versuchsfeldern umgestaltet wird. Geplant ist:
- die Absicherung des Geländes durch einen Zaun und durch Hecken
- der Anbau von Reis im Regenfeldanbau (1000 m²)
- der Anbau von Bewässerungsreis nach der Methode SRI (1000 m²)
- die Produktion von biologischem Kompost (100 m²)
- der Anbau von Gemüse und von Pflanzen für die Aufforstung (2000 m²)
- ein Versuchsfeld mit ganzjähriger Bodenbedeckung zur Verbesserung des Bodens (1000 m²)
- verschiedene Formen von Maniokanbau (2000 m²)
- verschiedene weitere Kulturen: Hirse, Mais, Bohnen, Erdnüsse, Yams, Taro und Kichererbsen (insgesamt 3500 m²)

Die Erbacher-Stiftung ermöglicht Tafita im Sommer 2013 die Teilnahme am Internationalen Seminar für Führungskräfte aus dem ländlichen Raum. Dieses Seminar wird vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bereits zum 36. Mal angeboten. Das dort Gelernte wird Tafita in der „Grünen Diözese“ anwenden können.

Das Projekt

LandMadagaskar
PartnerMsgr. Marc Benjamin Ramaroson (Bischof der Diözese Farafangana)
ZielgruppeDie Grüne Diözese und das Ausbildungszentrum Beaucamp

Der Vergleich

MadagaskarDeutschland
Lebenserwartung66,6 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
61,64
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre64,4 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)36,6234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013

Entwicklung des Projektes

16.10.2014: 400.000 Bäume gezogen und gepflanzt

16.10.2014

400.000 Bäume in Grüner Diözese gepflanzt

Gute Neuigkeiten erreichen uns aus der Grünen Diözese Farafangana in Madagaskar: Von Januar – April 2014 wurden fast 400.000 Bäume in eigenen Baumschulen gezogen und gepflanzt. 14 verschiedene Baumarten wurden gesetzt.

Es gibt gute Neuigkeiten aus der Grünen Diözese Farafangana: Von Januar – April 2014 wurden fast 400.000 Bäume in eigenen Baumschulen gezogen und gepflanzt. 14 verschiedene Baumarten wurden gesetzt. Zu den angebauten Baumarten zählen Eukalyptus, Kiefer, Flamboyant, Mantaly, Mango, Papaya, Orange, Mahabibo, Brotbaum, Litschi sowie Nelken und Pfeffer. Die Bäume, deren Früchte verkauft werden können, motivieren die Pflanzenden sehr. Gemüsefelder ergänzen die Anpflanzungen. Davon profitieren etwa 1000 Menschen, die sich nun gesünder ernäher können.

12.12.2013: Grüne Diözese auch weiterhin durch Erbacher-Stitung unterstützt

Das Konzept der Grünen Diözese in Farafangana überzeugt, das Projekt wird erfolgreich umgesetzt. Die Menschen verstehen, dass sie nicht nur Bäume abholzen dürfen, sondern dass sie neue pflanzen müssen, damit die Erosion nicht weiter voranschreitet und ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Nur wenn Wald vorhanden ist, wird Erosion eingedämmt und können die Menschen – zusammen mit verbesserten Anbaumethoden – ihre landwirtschaftlichen Erträge steigern. Die Erbacher-Stiftung unterstützt die Vorhaben der Grünen Diözese auch weiterhin und ermöglicht die Anschaffung von Saat- und Pflanzgut für die Gemüsegärten, von Ausstattungsmaterial für die Baumschulen und deren Mitarbeiter. Am Vorhaben sind Bischof, Priester, Katechisten beteiligt, über Radio und Schulen werden die Menschen erreicht und ein Bewusstseinwandel erzielt. Tafita hofft, in der Zukunft, wenn die Aufforstung vorangeschritten ist, einen Demonstrations- und Ausbildungshof aufbauen zu können, der auch Tierhaltung einbezieht. Den Menschen ist dann der Zusammenhang zwischen Aufforstung und Nahrungsmittel-Beschaffung leichter vermittelbar.

11.7.2013: Ein MAZ-Jahr und seine Folgen. Tafita besucht Erbacher-Stiftung in Kleinheubach

11.07.2013

Ein MAZ-Jahr und seine Folgen. Tafita besucht ERBACHER-STIFTUNG in Kleinheubach

Tafita heißt eigentlich Bertrand Oglivie Tafitasoa. Gerade ist er für vier Wochen in Deutschland. Die Erbacher-Stiftung ermöglicht ihm die Teilnahme am Internationalen Seminar für Führungskräfte aus dem ländlichen Raum. Es wird vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum 36. Mal angeboten. Auf seiner Reise dorthin besucht Tafita die Erbacher-Stiftung und erzählt:

v.l.n.r.: Sr. Georgine (die für ein Jahr in Hardehausen lebt), Dagmar Feldmann und Tafita mit Andrea Rudolf und Anna Salmen-Legler von der ERBACHER-STIFTUNG

Tafita heißt eigentlich Bertrand Oglivie Tafitasoa. Gerade ist er für vier Wochen in Deutschland. Die ERBACHER-STIFTUNG ermöglicht ihm die Teilnahme am Internationalen Seminar für Führungskräfte aus dem ländlichen Raum. Dieses Seminar wird vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum 36. Mal angeboten. Auf seinem Weg dorthin besucht Tafita die ERBACHER-STIFTUNG in Kleinheubach und erzählt seine Geschichte:

2010 kam Tafita als Missionar auf Zeit (MAZ) nach Deutschland. Er verbrachte ein Jahr auf dem Jugendbauerhof in Hardehausen. In dieser Zeit lernte er die Agraringenieurin Dagmar Feldmann kennen. Tafita lernte in seinem Jahr nicht nur sehr erfolgreich Deutsch, er eignete sich vor allem sehr viel wertvolles Wissen über landwirtschaftliche Verfahren an. Nach seinem MAZ-Jahr war klar: Dieses Wissen wollte Tafita in Madagaskar anwenden.

Dagmar Feldmann und ihr Mann bewirtschaften einen großen landwirtschaftlichen Betrieb in Nordrhein-Westfalen. Sie verstehen Tafitas Anliegen nur zu gut. Durch einen glücklichen Zufall können sie Tafita mit dem Bischof der madagassischen Diözese Farafangana, Monsigneur Marc Benjamin Ramaroson, bekannt machen. Er startet gerade das Projekt „Grüne Diözese“, das inzwischen bereits drei weitere Diözesen begonnen haben. Tafita ist der richtige Mann für den Bischof. Tafita hat Wissen, Visionen und Engagement. Er möchte anpacken und etwas bewegen, Leben in seiner Heimat lebenswerter machen. Das Beste: Er weiß, dass das auch schon mit kleinen Schritten möglich ist.

Die Grüne Diözese pflanzt Bäume. Inzwischen über 20 Baumsorten. In 13 von 19 Distrikten der Diözese arbeiten sogenannte Promoters. Sie animieren die Menschen, bei dem Projekt mitzumachen: Pflanzt Bäume, damit sich eure Zukunft verbessert. Stoppt Buschfeuer, die eure Felder zerstören, und das Abholzen der Wälder, die doch eure Zukunft sind. Die Menschen machen mit – eine ungeheure Leistung, denn das Gebiet der Diözese Farafangana ist groß. Tafita, der meist bei den Menschen unterwegs ist, legt täglich bis zu 160 km zurück. Fährt durch Schlamm und Matsch, die Wege sind schlecht. Die Menschen pflanzen Bäume – als Tagesaktionen. Oder mit den Firmlingen oder Erstkommunionkindern. Abends gibt es für die ehrenamtliche Arbeit ein gemeinsames Essen, bei dem alle satt werden. Und Interessierte bekommen Saatgut, um eigenes Gemüse anbauen zu können. Auch der Bischof und die Priester machen mit – ihr Vorbild zählt und schafft Vertrauen.

Der Bischof und Tafita wissen aber auch, dass die Menschen in Madagaskar im Heute leben. Von ihren gepflanzten Bäumen profitieren sie vielleicht in 20 Jahren. Das reicht nicht aus. Deswegen baut Tafita eine Demofarm, pflanzt viele verschiedene Gemüsesorten an und vermittelt den Katechten des Bistums sein Wissen. Diese nehmen es mit in die Dörfer, zeigen den Menschen, wie sie Gemüse und Obst anbauen und eigenes Saatgut herstellen können.

Ein MAZ-Jahr und seine Folgen. Inzwischen ist die erste MAZlerin aus der Diözese Paderborn in der Grünen Diözese und arbeitet auf der Demofarm Beaucamp mit. Im Herbst, wenn sie zurückkehrt, fliegen zwei neue MAZler nach Madagaskar.

Währenddessen setzt sich Dagmar Feldmann von Deutschland aus für Tafita und die Grüne Diözese ein. Im Februar war sie dort, um sich ein Bild zu machen, wie am besten geholfen werden kann. Und Dagmar Feldmann recherchiert. Durch sie weiß Tafita nun, dass Madagassen Vorreiter im Reisanbau nach der erfolgreichen SRI-Methode sind. Frau Feldmann fand diese Information im Internet, jetzt weiß sie auch der 29-jährige Tafita, und er macht sich mit Tatkraft ans Werk.

Mehr über Tafita, seine Heimat und seine Projekte finden Sie hier.

Vom 23.-25. August bietet Dipl.-Ing. agr. Dagmar Feldmann in dem Christlichen Bildungswerk Die Hegge ein Entwicklungspolitisches Seminar mit dem Schwerpunkt Madagaskar an. An ihm werden auch Tafita und die bis dahin zurückgekehrte MAZlerin aus dem BIstum Paderborn teilnehmen. Nähere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Bildungswerkes: www.die-hegge.de