Tushikane bewahrt Bauern vor Landraub

Tansania ist in weiten Teilen ein fruchtbares Land. Es hat vielfach unerschlossene Bodenschätze. Zugleich werden Land und Bodenbesitz in Tansania gerade vom Traditionsrecht auf verbrieftes Recht überführt. Windige Händler und internationale Investoren kaufen Ländereien auf. Aufgrund von Nichtwissen und Korruption besteht die Gefahr, dass Familien in den ländlichen Gebieten ihre traditionelle Existenzgrundlage verlieren.

Ein Gesetz von 1999 sieht vor, dass bewirtschaftetes Land jedem Dorf zugesprochen wird. Damit kann die Dorfverwaltung traditionelle Landrechte der Bevölkerung ins Grundbuch eintragen lassen oder es an externe Investoren verkaufen.

Tushikane e.V. hat im Jahr 2012 eine Befragungsstudie durchführen lassen. Sie zeigt in den exemplarischen Gemeinden:

  • Ausländische Firmen haben sich auf informellen Wegen bereits große Flächen des Dorflandes für kommerzielle Zwecke wie Bepflanzung von Bäumen für CO2-Emmissionshandel angeeignet.
  • Investoren aus Nachbarländern kaufen sich Äcker von Bauern zu Spottpreisen unter Nutzung zweifelhafter Verträge.
  • Die regionale Bevölkerung wird von Investoren vertrieben. Es finden Misshandlungen, organisierte Wasserspreren und die Verbrennung von Häusern statt. Der Regierung gelingt es nicht, den Konflikt zu befrieden.

Aufklärung über die Landrechte erforderlich

Tushikane möchte Kleinbauern und deren Famlien vor Landraub schützen und Aufklärungsarbeit zum Landrecht durchführen. Informationsveranstaltungen, Schulungen und Ausbildung von Mentoren für einzelne Dörfer werden umgesetzt. Tushikane betreibt intensive Netzwerkarbeit und arbeitet mit Bildungsexperten der Landreform, Dorfadministrationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen in Südtansania zusammen. Schulungs- und Informationsmaterialien werden entwickelt und vervielfältigt.

Das Projekt

LandTansania
PartnerTushikane e.V.
Zielgruppe

Bevölkerung im Süden Tansanias

Der Vergleich

TansaniaDeutschland
Lebenserwartung58,1 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
67,64
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre73,2 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)52,1234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013

Entwicklung des Projektes

10.06.2016: Landrechte und Jugendaustausch in Mapanda

Das unterstützte Projekt der Organisation Tushikane wird seit 2013 bereits unterstützt. Dem Verein ist es in der Gegend Mapanda bereits gelungen eine „Land-Act-Education“ zu verwirklichen. Hierdurch soll die Bevölkerung besser informiert und bei der Umsetzung der Landreform unterstützt werden. Auch die Traditionsrechte wurden zu verbrieftem Recht umgewandelt und bieten somit eine Perspektive für (land-)wirtschaftliches Wachstum. Im Jahr 2016 soll nun ein Jugendaustausch zwischen Unterfranken und der Region Iringa stattfinden, um auch die neue jüngere Generation in die Umsetzung einzubeziehen.

Ziele des Projektes:

  • Perspektive der nachwachsenden Generation in Diskussionen einbeziehen
  • Gemeinsame Verantwortung in den Köpfen wecken
  • Gemeinsame Kriterien für gerechte Teilnahme entwickeln

01.11.2015: Bienenstöcke und Schweinehaltung zur Verbesserung der Ernährungssituation

Beide Herausforderungen mangelnde Ernährung und Verbesserung des Einkommens sollen durch das Projekt zumindest gemindert werden. Die Idee der Bienenhaltung knüpft an die im Dorf seit Jahrhunderten praktizierte traditionelle Bienenhaltung an. Traditionell schnitzte man Bienenstöcken mit einem einzigen Brut- und Honigraum aus Holz, die im Wald aufgehängt wurden. Die Honigernte ist weges fehlendem Know-how gering und bringt außer etwas Honig für den eigenen Verzehr keinen Überschuss zum Verkaufen. Durch das Projekt sollen moderne Bienenstöcke angeschafft und Kenntnisse in Imkerei vermittelt werden. Schweinehaltung ist zwar im Dorf im kleinen Stil von einzelnen Personen bekannt. Auch hier ist der Erfolg aufgrund schlechten Stalls, schlechter Fütterung und fehlenden veterinären Dienstleistungen sehr niedrig. Die Nachfrage nach Honig und Schweinefleisch ist sowohl im Dorf als auch im Umland sehr groß.

29.10.2014: Stiftungsrat beschließt weiterhin Unterstützung von Tushikane

Der Stiftungsrat beschließt, die von Tushikane initiierte Aufklärungsarbeit zu Landrechten in Tansania auch weiterhin finanziell zu unterstützen. Geplant sind Aktivitäten in Dörfern in Songea, Iringa, Mbinga, Njombe und Mbeya, die dem Landraub weiter entgegenwirken sollen.

27.11.2013: Mit einer Studie bedankten wir uns für ein geschenktes Huhn

27.11.2013

Mit einer Studie bedankten wir uns für ein geschenktes Huhn

Tushikane besucht ERBACHER-STIFTUNG und berichtet über Landraub in Tansania

Joachim Schmitt war 1993 zum ersten Mal in Tansania. Als er 2010 zusammen mit Frau und Kindern das Land, die Leute und bekannten Orte wieder besuchte, sprach er mit den Menschen, beobachtete, hörte zu. Schnell ahnte er: Hier stimmt etwas nicht. „An verschiedenen Stellen im Land bemerkte man eine eigenartige Irritation.“ Ab dem Moment konnte er nicht mehr ruhig schlafen. „Für das Huhn, das uns ein tansanischer Bauer zum Abschied schenkte, bedankten wir uns mit einer Befragungsstudie im Land.“ Das Ergebnis: Die Gründung des Vereins Tushikane und viel ehrenamtliches Engagement für die Landbevölkerung von Tansania.

Joachim Schmitt (Verein Tushikane) im Gespräch mit Heidrun Zeug (ERBACHER-STIFTUNG)

Tushikane besucht ERBACHER-STIFTUNG und berichtet über Landraub in Tansania

Joachim Schmitt war 1993 zum ersten Mal in Tansania. Als er 2010 zusammen mit Frau und Kindern das Land, die Leute und bekannten Orte wieder besuchte, sprach er mit den Menschen, beobachtete, hörte zu. Schnell ahnte er: Hier stimmt etwas nicht. „An verschiedenen Stellen im Land bemerkte man eine eigenartige Irritation.“ Ab dem Moment konnte er nicht mehr ruhig schlafen. „Für das Huhn, das uns ein tansanischer Bauer zum Abschied schenkte, bedankten wir uns mit einer Befragungsstudie im Land.“ Das Ergebnis: Die Gründung des Vereins Tushikane und viel ehrenamtliches Engagement für die Landbevölkerung von Tansania.

Die Landreform und ihre Folgen

Tansania ist in weiten Teilen fruchtbares Land und hat vielfach unerschlossene Bodenschätze. Land und Bodenbesitz werden – seit der Landreform 1999 – vom Traditionsrecht auf verbrieftes Recht überführt. Investitionen sollen in das Land fließen können und Wirtschaftswachstum möglich machen. Was in der Theorie nach Fortschritt aussieht, bereitet in der Praxis große Schwierigkeiten. „Es ist ein Gesetz ohne Praxis. Kraft und Geld fehlen, um das Gesetzt flächendeckend umzusetzen“, resümiert Schmitt. Ausländische Investoren wittern Geschäfte, kaufen zu Dumpingpreisen Land, z.B. für CO2 Kompensation in Industrieländern oder um Gold zu suchen. Häufig managt eine korrupte Bezirksregierung die Landverkäufe und übergeht die Rechte des Einzelnen, der von seinen Rechten nichts weiß. Investoren senden „Spione“ und nutzen temporäre Geldsorgen Einzelner, um das Land billigst zu erwerben. Verträge sind oft nicht rechtskräftig im Sinn des Gesetzes, doch rechtskräftig in der Praxis. Die Folgen sind dramatisch: Bauern, die von der Subsistenzwirtschaft leben, verlieren langfristig ihre Lebensgrundlage, Familien zerstreiten sich, weil sie uneins über den Verkauf des Landes sind. Extrem schwierig wird die Situation auch für Nomaden und Massai, die bisher ungenutztes Land für sich nutzen können.

Mentoren-Schulungen

Die ERBACHER-STIFTUNG finanziert in diesem Jahr Mentoren-Schulungen, die Tushikane in Kooperation mit der Kirche initiiert hat. Ziel der Schulungen ist Bewusstseinsbildung, Aufklärung und Sensibilisierung der tansanischen Bevölkerung im Kontext des Landrechts. „Allein ist Tushikane mit der Dimension überfordert“, so Schmitt, doch glücklicherweise konnte Tushikane Misereor auf die Probleme und den dringenden Handlungsbedarf im Land aufmerksam machen. Misereor wird sich nun für die Bewusstseinsbildung der Bauern von Tansania einsetzen, hilft bei der Projekt-Finanzierung, bei langfristigen Planungen und der Suche nach weiteren vertrauensvollen Partnern.

So schlimm wie Aids

Ein Bauer, den Joachim Schmitt in Tansania traf, vergleicht die Dramatik der Situation mit der Verbreitung von Aids: „Nur kam damals die Aufklärung zu spät.“ Dank Tushikane dürfen wir hoffen, dass für viele Menschen die Hilfe nun früh genug kommt. Wenn die Bauern ihre Rechte kennen und Verantwortung übernehmen, gestalten sie ihre Zukunft aktiv. Schmitt resümiert auf die Frage, wie die Entwicklungsarbeit im Land gelingen kann: „Ich brauche keine Hilfsempfänger vor Ort. Ich brauche Leute, die mit offenem Geist mitdiskutieren, Ziele durchdenken und diese formulieren. Nur dann ist Hilfe für die Menschen nachhaltig.“