Dromedar Wollverarbeitung

Der Wüstenstaat Rajasthan ist dürregefährdet. Die Bevölkerung lebt traditionell von der nomadischen Viehwirtschaft, wird von der Regierung jedoch vernachlässigt. Andere Einkommensquellen gibt es wenig. Dromedare sind bestens an das Klima angepasst, doch ihre Zahl ist rückläufig. Vor Ort besteht eine Tradtition der Wollgewinnung für die Verarbeitung für Gegenständen des täglichen Bedarfs. Auf dem europäischen Markt besteht ein steigender Bedarf an qualitativ hochwertigen Kamelhaar-Fasern und -Produkten.

Die deutsche Hirtenliga e.V. und Lokhit Pashu-Palak Sansthan (LPPS) in Indien unterstützen die Hirten bei der Vermarktung ihrer Tierprodukte. Es werden Kamelmilch, Kamelmilcheiscreme, Wolle, Seife und Papier hergestellt. Frauen und Witwen in der abgelegenen Wüste Thar erhalten so durch den Aufbau von Wertschöpfungsketten neue Einkommensmöglichkeiten.

Bei der letzten militärischen Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan haben viele Frauen ihre Männer verloren. Sie sind vom guten Willen ihrer angeheirateten Familien abhängig und dürfen traditionsgemäß nicht neu heiraten. Das Projekt ermöglicht sechs bestehenden Frauengruppen mit je zehn Migliedern Training und Bewusstseinsbildung, Schulungen in Wollverarbeitung, Unterstützung durch Designer und Anschaffung besserer Webstühle.

Das Projekt

LandIndien
PartnerHirtenliga e.V. und Lokhit Pashu-Palak Sansthan
Zielgruppe6 bestehende Frauengruppen mit jeweils 10 Mitgliedern

Der Vergleich

IndienDeutschland
Lebenserwartung65,4 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
61,34
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre62,7 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)417,5234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013

Entwicklung des Projektes

25.10.2014: ERBACHER-STIFTUNG fördert Liga für HIrtenvölker e.V. weiterhin

Der indische Staat beurteilt das Kamel als gefährdetes Tier. Das Schlachten eines Kamels wird mit sieben Jahren Gefängnis und das Schmuggeln über die Landesgrenzen mit drei Jahren Gefängnis bestraft. Den traditionellen Kamelhaltern bricht eine wichtige Einkommensquelle weg. Die Produktion von Kamelmilch, die nährstoffreicher als Kuhmilch ist, soll stärker gefördert werden. Alternative Einkommenswege durch Kamelprodukte wie Milch oder Wolle zu fördern und alternative Wertschöfpungsketten aufzubauen, ist Ziel des Projekts, das die ERBACHER-STIFTUNG in Kooperation mit der Liga für Hirtenvölker e.V. und dem lokalen Partner Lokhit Pashu-Palak Sansthan umsetzt.

Durch die Unterstützung der traditionellen Lebensweise der Menschen in der Wüste Thar erhofft man, die Population der Kamele als Teil des kulturellen Erbes Rajasthans aufrecht erhalten zu können. Mit der bisherigen Arbeit zusammen mit der Zielgruppe des Projekts konnte verhindert werden, dass die die Menschen als Tagelöhner in die Städte ziehen. Sie konnten ihre traditionelle Lebensweise und Würde bewahren.

Im weiteren Verlauf des Projekts sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Bewusstseinsbildung unter Kamelzüchtern über die neue Gesetzeslage
  • Trainingskurse zum Thema hygienische Kamelmilchverarbeitung (Eis und Käse)
  • Verteilung von Medikamenten gegen Kamelkrankheiten
  • Mobilisierung der Züchter in Produzentenverbände
  • Weiterentwicklung der bereits eingeführten Kamelprodukte
  • Entwicklung neuer Kamelprodukte, z.B. im Bereich Kunsthandwerk

Begünstigte des Vorhabens sind:

  • 200 Kamelzüchter mit ihren Familien, die im Bereich Tiermedizin informiert werden
  • 50 Kamelmilchproduzenten, die Trainings erhalten
  • 20 Frauen, die Kamelwolle spinnen