Wiederbewaldung am Lake Sebu

In der Gemeinde Lake Sebu, die zur Provinz South Cotobato gehört, im Südwestern der Insel Mindanao, lebt die indigene Volksgruppe der Ubo. Es leben dort ca. 1.500 Ubo-Familien mit je ca. 5 Kindern pro Familie, also insgesamt knapp 8.000 Ubo.

Sie sind vorwiegend Selbstversorger und verfügen über sehr geringe finanzielle Mittel. Bei medizinischen oder anderen Notfällen sind sie schnell in einer Schuldenspirale gefangen, weil sie nicht versichert sind. Zwar gibt es seit einigen Jahren die öffentliche Krankenversicherung „Philhealth“, doch sie kostet monatlich 100 Pesos (= 1,67 €). Das ist zu viel für jemanden, der kaum Geld hat. Außerdem müssen die Krankheitskosten vorfinanziert werden und die Eigenbeteiligung beträgt 75%. Ein Programm der Regierung, die Armen ganz oder teilweise wenigstens von den Krankenkassenbeiträgen zu befreien, hat noch keine Früchte getragen. Wenn ein Familienmitglied ernsthaft erkrankt, muss ein Kredit aufgenommen werden. Als Geldgeber stehen reiche Großgrundbesitzer oder kommerzielle Kreditinstitute zur Verfügung. Diese verlangen als Gegenleistung ein Nießbrauchrecht am Land der Ubo, das dann so lange kommerziell genutzt wird, bis die Kredite zurückbezahlt werden. Das Land gehört also noch dem armen Bauern, er darf es aber nicht mehr als Ernährungs- und Einkommensquelle nutzen. Bei weiterer Krankheit eines Familienmitglieds wird das für die Eigennutzung zur Verfügung stehende Land immer geringer. Schließlich müssen Kredite aufgenommen werden, um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Es ist ein Teufelskreis, aus dem sich die Menschen nicht selbst befreien können.

Das Land, das zur Nutzung an die Geldgeber übertragen worden ist, wird intensiv ausgebeutet, der Wald wird gerodet. Der Wasserspiegel sinkt ab, der Boden erodiert und das Land verliert seine Ertragsfähigkeit.   

Ein neues Gesetz ermöglicht, dass die Stammesmitglieder das Land ihres Stammes insgesamt zurückbekommen. Das Land gehört dann also dem Stamm gemeinsam und bietet Einkommensmöglichkeiten. Doch müssen sich die Stammesmitglieder genossenschaftlich organisieren. Die Genossenschaft muss mindestens 500 Mitglieder umfassen, die jeweils mindestens 2.000 Pesos (= 33,37 €) eingezahlt haben. Über 200 Mitglieder konnten sich der Genossenschaft anschließen und ihren Beitrag selbst zahlen. Die Erbacher-Stiftung unterstützt die Gründung der Genossenschaft und finanziert das noch fehlende Startkapitel.

Gründung einer Genossenschaft

Die durch die Unterstützung der Erbacher-Stiftung gegründete Genossenschaft macht es möglich, den Bauern ein sehr günstiges Darlehen für die Wiederbewaldung mit Kautschukbaum-Bepflanzung zu Verfügung zu stellen. Den Kredit müssen sie erst zurückzahlen, wenn die Kautschukernte nach 5-6 Jahren Erträge abwirft. Der Kautschukbaum ist wegen der hohen Nachfrage und der für ihn günstigen Wachstumsbedingungen sehr geeignet. Seine Milch wird zur Herstellung von Gummi verwendet. Nach 25 Jahren wird der Baum gefällt und das Holz für die Möbelindustrie verwertet. Bis der Kautschuk geerntet wird, sollen Mais, Bergreis, Süßkartoffeln und Bananen für den Eigenbedarf und zum Verkauf angebaut werden. Auf weiteren Gebieten wird Mischwald angepflanzt. Von ihm profitieren die Menschen langfristig, indem sie Waldprodukte wie Rattan, Beeren Honig u.a. als Nahrungs- und Einkommensquelle nutzen können. Die Genossenschaft richtet einen Gesundheits- und Sozialfonds für Notfälle ein. Damit schützt sie ihre Mitglieder vor dem sozialen Ruin und erwirtschaftet Geld für Neuanschaffungen, insbesondere für den Kauf von Landmaschinen.

Einkommensquelle für die Ubo

Ziel des Projekts ist eine zukunftssichernde Einkommensquelle für die Ubo. Das Leben auf dem Land wird für sie wieder lebenswert. Zukunft ist möglich. Die Wiederbewaldung verbessert den Wasserhaushalt der Gegend, das Land erholt sich und bringt gute Erträge. Das Projekt leistet also einen Beitrag zur biologischen Artenvielfalt und zum Klimaschutz.

Der Vergleich

PhilippinenDeutschland
Lebenserwartung68,7 Jahre80,7 Jahre
Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren
per 1000 Lebendgeburten
25,44
Alphabetisierungsrate Erwachsene älter als 15 Jahre95,4 %k.A.
Einwohnerdichte (Personen pro km²)318,1234,6

Quelle: World Bank Development Indicators, Stand Juni 2013